Madagascar 2 – Escape to Africa – PC/Wii/Xbox/PS

Pünktlich zum Kinostart des Neuen animierten Trickfilmabenteuers Madagascar 2, bekommt die Spielergemeinde die Möglichkeit jenes Abenteuer daheim vor eigener Konsole nochmals zu erleben. In den letzten Jahren ist es beinahe zur Gewohnheit geworden das kurz nach Veröffentlichung eines Filmes, dass passende Spiel auf den Markt geworfen wird. In der Regel handelt es sich bei diesen „Portierungen“ um einfache „Minispiele“, welche nur in den seltensten Fällen für Langzeitspaß sorgen und lediglich dafür gemacht worden sind, die Geldbeutel der Spieleindustrie zu füllen. Ob und inwieweit diese (oftmals schlechte) Gewohnheit auf das gleichnamige Spiel des Filmes Madagascar 2 zutrifft wird im folgenden Review näher behandelt.
madagascar 2
Selbstverständlich hält die Story Madagascars 2 an den Geschehnissen des Filmes fest. Nachdem die vier Hauptcharaktere Leo, Marty, Melmen sowie Gloria aus dem New Yorker Zoo ausgebrochen und auf der schönen Insel Madagascar gestrandet sind, haben sie jenes Paradies nach einiger Zeit satt und wollen, zwecks Heimweh, den Weg zurück nach New York antreten. Das die Rückkehr nur von kurzer Dauer ist, muss wohl nicht näher erwähnt werden. Es kommt somit wie es kommen muss, die tapferen Zootiere legen eine astreine Bruchlandung – mit dem zuvor noch zusammengeflickten Flugzeug – mitten in Afrika hin. Nun heißt es das Flugzeug wieder in Gang zu setzen um in die langersehnte Heimat zurückzukehren.
Die Minispiele sind zurück!
Wer bei Madagascar 2 an ein komplexes Jump & Run für jung und alt denkt, wird sich nach kurzer Zeit enttäuscht in die Ecke setzen und schmollen. Vielmehr beschert uns Activision einen totalen Genremix, der etliche (!) Minispiele mit unterschiedlichen Genrearten beinhaltet. Über die gesamte Spieldauer steht der Jump & Run Anteil zwar im Vordergrund, dennoch wirken diese Abschnitte eher als „Einleitung“ bzw. „Übergang“ zum nächsten Minispiel.
Der Grundgedanke der Genrevermischung ist zwar nicht verkehrt, jedoch nur wenn er auch zu Ende gedacht wurde. Es ist somit zwar lobenswert das durch die Vielfalt einiges an Abwechslung geboten wird, allerdings sollte das gesamte Konzept stimmig sein und auch dementsprechend sinnvoll umgesetzt werden. Die Jump & Run Einlagen sind in der Regel zu simpel und die andauernden Unterbrechung durch die vielen (mickrig kleinen mini mini) Minispiele nervig – der Spaßfaktor hält sich trotz des soliden Grundgedankens in Grenzen. Und wenn keine große Unterhaltung aufkommt, sollte eher das Prädikat „nicht empfehlenswert“ erteilt werden. Alles in allem wirkt Madagascar 2 daher eher wie eine mittelmäßige Minispielsammlung.
Neben Geschicklichkeitsaufgaben, Reaktionstests und Wettrennen sind etliche andere Genre versteckt. So wird dem Spieler eine „Reise nach Jerusalem“, ein „Sprungbrett-Wettbewerb“, ein „Fußballmatch“ aber auch subtile Dinge wie stubides knöpfendrücken in der richtigen Reihenfolge oder fotografieren abverlangt. Aufgrund dieser starken Anhäufung von Minispielen kommt es dem Spieler so vor als würde er nur von Minispiel zu Minispiel hetzen.
Das Bild was sich daraus ergibt ist somit alles andere als positiv. Im Gegenteil sogar, das Spiel wirkt somit ziemlich lieblos und – ohne auch nur den Hauch einer Chance an den Film heranzukommen – enorm hastig. Wenn wenigstens die Jump & Run Einlagen ausgereift wären, würde der ein oder andere Negativpunkt sicherlich verschmerzt werden können. Leider hat Madagascar 2 auch hier nicht viel Positives zu bieten, da der Spieler nur wenig Freiraum hat und die zu begehenden Areale linear und äußerst beschränkt sind.
Hat man sich einmal mit dem Grundgedanken angefreundet, so stolpert der Spieler von Minispiel zu Minispiel. Hierbei findet ein flüssiger Charakterwechsel statt, so dass jede wichtige Hauptfigur seinen Anteil am Gesamtspiel erhält. Handelte das vorherige Kapitel größtenteils von Leo, so steuert man im nächsten Abschnitt einen der vier sagenumwobenen Pinguine um an Bauteile für das Flugzeug zu kommen. Hierbei fällt auf das jede Figur seine persönliches Moves hat – Melman breitet seine Stelzenbeine aus und fängt an wie ein Helikopter zu fliegen, Leo brüllt alle Gegner weg oder das Zebra Marty rennt schneller als die bekannte schnellste Maus von Mexico. Selbstverständlich spielen die charakterspezifischen Eigenschaften in den Minispielen jeweils eine gewisse Rolle.
Ein weiterer großer Kritikpunkt an Madagsacar ist wohl der Schwierigkeitsgrad, der für geübte Spieler und vermutlich sogar für Kinder viel zu tief angesetzt ist. Erfahrene Spieler wird das Spiel – wenn überhaupt – nur kurzzeitig beschäftigen, falls es doch vorkommen sollte dass, das Spiel mehrere Stunden im Laufwerk beheimatet ist, wird der Spieler bereits nach 6 Stunden Spielzeit mit der Endsequenz belohnt. Ob das nun positiv oder negativ beurteilt wird, kann nun von jedem selbst entschieden werden.

Aber nein, Madagascar 2 hat nicht nur schlechte Seiten zu bieten. Die grafische Darstellung wird zwar niemanden vom Hocker reißen, dennoch erfüllt Sie Ihren Zweck und reicht in Anbetracht des Spielkonzeptes völlig aus. Und auch wenn die Animationen nicht immer gelungen sind, so können die Charaktermodelle ein angenehm gutes Design aufweisen und optisch durchaus ansprechen. Schön ist auch das es wirklich alle Charaktere ins Spiel geschafft haben, so sind neben unseren 4 Zootieren zusätzlich die Pinguine und etliche andere Nebendarsteller vertreten. Neben dem Spielgeschehen gönnt Activision dem Spieler außerdem ein paar Szenen aus dem gleichnamigen Film und sorgt im Verlauf des Spiels, auch außerhalb der Filmsequenzen, für den ein oder anderen angenehmen Lacher.

Außerhalb der wenigen Filmsequenzen sorgen die Kommentare und Sprüche der Akteure für das ein oder andere Grinsen auf den Wangen des Spielers. Doch auch wenn die Synchronisation äußerst gut gelungen ist muss man traurigerweise feststellen, dass die deutsche Sprachausgabe nicht mit den Originalstimmen vertont wurde. Als Spielumsetzung eines Filmes ist das als äußerst fragwürdig anzusehen, so dass trotz der guten Vertonung ein fader Beigeschmack bleibt. Weiterhin ist die Sounduntermalung leider ziemlich schlicht ausgefallen und sticht weder positiv noch negativ hervor.

Aber es gibt ja noch den Multiplayer…
Wer keine Lust hat alleine mit Melmen und Co seine Zeit zu verbringen, der hat die Möglichkeit einige der Minispiele gemeinsam mit maximal drei weiteren Mitstreitern zu absolvieren. Macht einerseits ein wenig mehr Spaß und kann andererseits die Gesamtspieldauer etwas nach oben treiben. Aufgrund des Multiplayers wird der Schwierigkeitsgrad enorm nach oben getrieben denn – wie sollte es auch anders sein – es wird vermutlich enorm schwer sein, drei weitere Spieler für Madagascar 2 vor die heimische Konsole zu bekommen.
Wer es dennoch schafft – auch wenn sich nur ein Freund hinzugesellen sollte – kann nachfolgend einzelne Spiele gegeneinander bestreiten oder sich in einem kleinen Minispiel-Turnier messen.